Sport- und Tourismusbranche sehen auch Chancen in der Corona-Krise

Presseinformation, 21. September 2020

Die Winterbranche blickt optimistisch in den Winter
Sport- und Tourismusbranche sehen auch Chancen in der Corona-Krise

Die Branchen der Touristiker und der Sportartikelindustrie haben etwas gemeinsam: Sie sind
Branchen der Optimisten. Dieses Bild zeichneten sie bei einer virtuellen Gesprächsrunde im
Rahmen der Initiative Dein Winter. Dein Sport. Die Botschaft: Wir stellen uns den
Herausforderungen dieses Winters. Wir warten nicht ab, sondern bleiben aktiv. Und wir nutzen
die vorhandenen Möglichkeiten und Chancen. Das Motto: Zuversichtlich. Gemeinsam.
Vorbereitet.

Covid-19. Lockdown. Krise. Mit negativen Nachrichten war und ist die Corona-Pandemie
verbunden. Vielfach zurecht. Doch darauf wollen sich die Vertreter der Sportartikelindustrie
und der Tourismusbranche nicht länger konzentrieren. In einem Marketingcall hoben sie die
Chancen hervor, ohne dabei die Schwierigkeiten zu verschweigen. Von einem „Top-Bike-Jahr“
sprach Frank Burig, Geschäftsführer der Ziener GmbH. Das machte sich auch in den
Verkaufszahlen des Bekleidungsherstellers positiv bemerkbar. Dasselbe gilt für Thule. Thomas
Syring, Sales Director für Zentraleuropa, zufolge stieg die Nachfrage nach
Fahrradtransportmöglichkeiten enorm. Nach wie vor arbeitet das Unternehmen Bestellungen
ab. Bis in den Oktober hinein wird in europäischen Werken produziert.

Biken, Trail Running, Wandern, Fitness: Erfolg durch Corona
Den starken Umsatzrückgang in den Lockdown-Monaten März und April spüren die
Unternehmen, das verschweigt Leki-Geschäftsführerin Waltraud Lenhart nicht. Doch zeigt sie
sich zuversichtlich – auch dank einer starken Nachfrage im Sommer unmittelbar nach den
ersten Lockerungen. „Die Leute zog es in die Berge und einfach raus, auch im Flachland.“
Nordic Walking erlebte eine „kleine Befeuerung“. Die erfolgreichen Bereiche Bike, Wandern,
Trail Running ergänzt Niko Lindauer, Head of Marketing von Intersport Deutschland, um den
Bereich Fitness. Viele richteten sich demnach zu Hause einen kleinen Fitnessraum ein. „Der
Lockdown hat uns getroffen. Umso überraschender und positiver war die Zeit danach.“

Weniger Neuheiten, aber dennoch nicht auf Innovationen verzichten
Schwierig zeigt sich die Situation für die Skibranche – nicht allein wegen Corona. „Was uns am
meisten weh getan hat: Der letzte Winter war unterdurchschnittlich“, sagt Hilmar Bolle,
Countrymanager für Rossignol, Dynastar und Lange. Entsprechend verhalten fiel die Vororder
aus. Dann kam die Pandemie. Das hat Auswirkungen. Im Winter 2021/22 wird das
Unternehmen mehr als gewohnt auf Durchläufer setzen, manche Neu-Entwicklung bei Schuhen
oder Skiern wird zurückgestellt. Ganz auf Neuheiten zu verzichten, komme jedoch nicht in
Frage. Dies betont auch Burig von Ziener: „Von Innovationen lebt der Sport und die ganze
Sportbranche.“ Gerade im Textilbereich brauche man neue Anregungen, um einen Kaufreiz zu
schaffen. Zugleich gelte es, den Handel mit einer Risikominimierung zu unterstützen. Das
betrifft gerade den Standardhandschuhbereich, wo Ziener auf eine größere Zahl an
Durchläufern zurückgreift. Das erhöht die Planungssicherheit, der Handel bleibt lieferfähig und
Ziener ebenfalls.

Generell zeigen sich die Unternehmen zuversichtlich mit ihrer Produktion, die größtenteils in
Europa stattfindet, nicht in massive Lieferschwierigkeiten zu kommen. Bei aller Zuversicht: Von
einer generellen Unsicherheit spricht Leki-Geschäftsführerin Lenhart. Es gibt viele Fragen wie:
Bleiben die Aufträge bestehen? Was passiert, wenn der Winter nicht stattfinden kann wie
geplant? Diese Situation müsse man nun annehmen.

Bergregionen erleben hohe touristische Nachfrage, Städte einen Einbruch
Unsicherheit: Ein Stichwort für die Tourismusbranche. Ebenso wie Vertrauen. Die Unsicherheit
bei Kunden gilt es zu reduzieren, das Vertrauen zurückzugewinnen, um eine gute Wintersaison
zu erleben – Nach einem Sommer, der positiv überraschte. Dies berichteten alle Vertreter in
der Gesprächsrunde, organisiert von der Initiative Dein Winter. Dein Sport. Sei es Bernhard
Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, Patricio Hetfleisch, Bereichsleiter Marketing &
Kommunikation von Tirol Werbung, Jörg Peter Krebs, Deutschland-Leiter von Schweiz
Tourismus, Thomas Fill, Head Insights & Strategy von IDM Südtirol sowie Mirta Valentini, Head
of Sales Support bei Trentino Marketing. Alle erlebten eine überaus hohe Nachfrage in den
Bergregionen. „Es war ein schwieriges Jahr, aber so viel besser als erwartet“, sagte Fill. Auch
wenn auswärtige Gäste wegfielen und Städte massive Einbrüche erlebten – für die Schweiz
nannte Krebs Zürich und Genf, für Tirol führte Hetfleisch Innsbruck und Kufstein an – wird der
Trend „Urlaub im eigenen Land“ die Zahlen retten. „Ohne ausländische Gäste aber werden wir
den Winter nicht bestreiten können“, betonte Valentini für das Trentino. Doch für eine Prognose
sei es zu früh.

Ein spezielles Thema beschäftigt Bernhard Joachim aus dem Allgäu: Die Nordische SkiWeltmeisterschaft 2021 (23.02. – 07.03.) in Oberstdorf. Im Moment gibt es viele Fragezeichen.
„Wir wissen aktuell nur, dass sie stattfinden wird.“

Hoffnung und Chance: Auch im Winter neue Kunden gewinnen
Eine Hoffnung verbindet die Sportartikelbranche und die Touristiker: Neues Klientel zu
gewinnen. Im Sommer ist dies bereits gelungen. Gerade junges Publikum hat den Touristikern
zufolge die Berge neu für sich entdeckt. Darin sehen alle Beteiligten eine Chance. Burig von
Ziener formulierte es so: „Individualsport“ – und dazu gehöre auch das alpine Skifahren – „in
der freien Natur ist doch das Ideale für die jetzige Situation. Ich glaube, das ist eine
Riesenchance für uns, Leute zurückzugewinnen für den Schneesport.“

Aktuell erleben die Tourismusregionen eine hohe Nachfrage für den Winter, jedoch ein
zurückhaltendes Buchungsverhalten. Eben aufgrund der Unsicherheiten: Wie gehen die
Regionen mit Corona um? Wie minimieren sie das Infektionsrisiko? Wie sorgen sie für
Wohlbefinden trotz Einschränkungen? An Antworten arbeiten die Verantwortlichen, umfassende
Konzepte werden erstellt. Im Frühjahr mag man von den Ereignissen überrascht worden sein.
„Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr“, betont Hetfleisch von Tirol Werbung.

Deutsche Wintersportverbände entwickeln Handlungsempfehlungen zum Saisonstart
Hygienekonzepte sind auch das große Thema für die drei Wintersportverbände: Intensiv
bereitet man sich beim Deutschen Skiverband, dem Deutschen Skilehrerverband und dem
Snowboardverband Deutschland auf die kommende Saison vor. In einer gemeinsamen
Taskforce – inhaltlich begleitet von Univ.-Prof. Dr. Ralf Roth vom Institut für Outdoor Sport und
Umweltforschung (DSHS Köln) – widmeten sie sich der Frage: Wie kann der Winter in Ski-,
Snowboard- und Langlaufschulen sowie in Vereinen, Schulen und für Veranstaltungen starten?
Gemeinsam mit der Stiftung Sicherheit im Skisport (www.stiftung.ski) liefert das Team
Antworten. Die Handlungsempfehlungen, alle aktuellen Informationen zum Winterstart in
Corona-Zeiten sowie die umfassenden Konzepte der Taskforce sind auf www.stiftung.ski/sislab/taskforce-covid-19wintersport/uebersicht/ veröffentlicht.

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